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Hartmetall prozesssicher zerspanen

Videoanwenderbericht

Hartmetall drehen statt schleifen – was für viele Werkzeugbauer immer noch nach einer theoretischen Versuchsanordnung klingt, gehört bei Linhardt Tec.Point längst zum Alltag. Im Werkzeugbau des internationalen Verpackungsspezialisten Linhardt werden hochpräzise Komponenten produziert, die im gesamten Konzern für Tuben- und Dosenlinien benötigt werden. Dabei setzt das Team in Viechtach auf Hartmetall der Sorte G30 – ein extrem zäher, verschleißfester Werkstoff, der höchste Anforderungen an Maschine, Werkzeug und Prozess stellt. Gemeinsam mit der Paul Horn GmbH hat Linhardt über zehn Jahre hinweg eine Zerspanungstechnologie entwickelt, die heute echte Wettbewerbsvorteile schafft: stabile Prozesse, hohe Standzeiten, erstklassige Oberflächen – und Bearbeitungsmöglichkeiten, die früher nur durch zeitraubendes Schleifen erreichbar waren.

Von Ing. Robert Fraunberger, x-technik

Linhardt zählt zu den führenden Herstellern für Verpackungslösungen aus Aluminium und Kunststoff. Tuben, Aerosoldosen, Aluminiumröhrchen – Produkte, die weltweit im Healthcare-, Beauty- und Home-Segment im Einsatz sind. Um die dafür benötigten Werkzeuge, Formteile und Verschleißkomponenten jederzeit in hoher Qualität bereitzustellen, betreibt der Konzern mit dem Linhardt Tec.Point einen eigenen, hochmodernen Werkzeugbau.

Werkzeugbau mit strategischer Bedeutung

„Wir produzieren die Werkzeuge zur Tuben- und Dosenherstellung, aber auch Ersatzteile sowie Form- und Instandhaltungsteile für die gesamte Linhardt -Gruppe“, erklärt Stefan Bielmeier, der den Tec.Point seit Anfang 2025 leitet. „Bei uns wird die technische Machbarkeit geprüft, das Werkzeug konstruiert, gefertigt, anschließend eingefahren, getestet und letztlich der Produktion übergeben.“

Aus Nachhaltigkeitsgründen arbeitet Linhardt zunehmend mit Recyclingmaterialien wie PCR-Aluminium. „Diese Materialien lassen sich nur mit Hartmetallwerkzeugen zuverlässig bearbeiten. Das funktioniert anders nicht“, betont Bielmeier. Hartmetall ist somit ein Schlüsselwerkstoff für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Materialeigenschaften, die den Unterschied machen

Im Tec.Point wird überwiegend die Hartmetallsorte G30 verarbeitet. „Ein feinkörniges, sehr hartes Material, das bei falscher Bearbeitung zu hohen Ausbrüchen neigt“, beschreibt Michael Högerl, CNC-Dreher und ausgewiesener Hartmetall-Spezialist bei Linhardt. Genau diese Kombination aus Härte und Feinkörnigkeit macht G30 für die Herstellung langlebiger Werkzeugkomponenten wertvoll, gleichzeitig aber schwierig zu zerspanen.

Martin Preißer, Teamleiter Drehen/Schleifen, fasst die Bedeutung zusammen: „Hartmetall ist für uns essenziell, weil wir damit Standzeit und Prozesssicherheit unserer Produkte erhöhen.“ Bauteile wie Stauchköpfe oder Einziehringe müssen über lange Zeiträume präzise funktionieren. Herkömmlich gehärtete Werkzeugstähle erreichen diese Lebensdauer nicht – Hartmetall allerdings schon.

Vom Schleifen zum Drehen

Hartmetall wurde über Jahrzehnte fast ausschließlich geschliffen. Doch Schleifen ist zeitintensiv, geometrisch eingeschränkt und nicht für jede Kontur geeignet. „Durch die CVD-Platten von Horn können wir das Schleifen größtenteils einsparen“, sagt Högerl. „Wir können viel auf Drehprozesse umstellen – kosteneffizienter, schneller und mit hoher Prozesssicherheit.“

Preißer bestätigt den Mehrwert aus Sicht der Fertigung: „Komplexere Konturen, die beim Schleifen sehr langwierig wären, sind nun mit Horn-Werkzeugen in kürzerer Zeit machbar.“ Damit gelingt Linhardt etwas, das weltweit nur sehr wenige Unternehmen beherrschen: Hartmetall präzise, stabil und prozesssicher zu drehen.

CVD-Diamant als Schlüssel

Für die Bearbeitung setzt Linhardt konsequent auf Werkzeuge der Paul Horn GmbH. Außendienstmitarbeiter Michael Götze betreut das Unternehmen seit 2014 – dem Jahr, in dem Linhardt erstmals mit dem Drehen von Hartmetall begann.

Zentral ist der Einsatz von CVD-Dickschicht-Diamant. „CVD ist für die Zerspanung von Hartmetall ideal geeignet“, erklärt Götze. „PKD besitzt einen Binderanteil, ist nicht so hart. Für G30 ist CVD-Diamant klar überlegen.“ Zudem wurden die Geometrien und Substrate über Jahre hinweg gemeinsam weiterentwickelt. „Unser Produktspezialist für hochharte Schneidstoffe war da sehr findig, geometrisch wie technisch.“ Die Prozessvoraussetzungen sind eine stabile Maschine, eine präzise Aufspannung und exakte Schnittparameter. Sind die Rahmenbedingungen erfüllt, lässt sich G30 zuverlässig zerspanen.

Prozesse beherrschen

Linhardt bearbeitet Hartmetall heute in einer Breite, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar war: Plandrehen, Innen- und Außendrehen, Konturen, Einstiche und seit Kurzem sogar Innengewinde in Hartmetall. „Das gab es vorher so nicht“, betont Högerl. „Die Entwicklung der Hartmetall-Innengewinde-Bearbeitung haben wir gemeinsam mit Horn realisiert.“

Auch Götze beschreibt die Komplexität des Themas: „Der Eckenradius ist extrem klein, die Schnittparameter müssen exakt passen. Die Anzahl der Schnitte ist entscheidend. Aber wir haben es gemeinsam hinbekommen.“ Damit erschließt Linhardt Anwendungen, die zuvor nur durch Schleifen oder Erodieren möglich waren.

Oberflächenqualität als kritischer Erfolgsfaktor

Da die gefertigten Bauteile in der Produktion unmittelbar mit dem Endmaterial in Kontakt kommen, spielt auch die Oberfläche eine zentrale Rolle. „Die Oberflächengüte ist extrem wichtig, weil sie sich eins zu eins im Endprodukt widerspiegelt“, so Preißer. „Mit Horn-Werkzeugen erzielen wir konstant Rz-Werte unter 1.“ Diese Reproduzierbarkeit ist entscheidend für Prozesssicherheit und Ausschussvermeidung.

Partnerschaft statt Lieferbeziehung

Die Zusammenarbeit zwischen Linhardt und Horn entwickelte sich über die Jahre zu einer tiefen technischen Partnerschaft. Götze beschreibt sie mit klaren Worten: „Das ist fast keine Zusammenarbeit mehr – eher eine Partnerschaft. Sehr vertrauensvoll, sehr offen. Besser kann es nicht funktionieren.“

Auch beim Support zeigt Horn große Präsenz: „Sechs Mal im Jahr und jederzeit auf Zuruf“, so Götze weiter. Bielmeier bestätigt den hohen Stellenwert des Werkzeugherstellers: „Alle Horn-Mitarbeiter, die für uns zuständig sind, sind hochqualifiziert, effizient und schnell. Wir sind sehr zufrieden.“

Eine Technologie mit Zukunft

Die Hartmetallbearbeitung ist heute ein strategisch wichtiger Baustein für Linhardt. Prozesse wie Drehen statt Schleifen machen den Werkzeugbau schneller, flexibler und wirtschaftlicher – bei gleichzeitig höheren Standzeiten und besserer Qualität. Götze bringt es auf den Punkt: „Wir haben bewiesen, dass die Zerspanung mit CVD-Diamant absolut prozessfähig ist und eine echte Zukunft bietet.“

Für Linhardt ist die Richtung klar: „Weiter optimieren, weiter automatisieren und gemeinsam mit Horn neue Anwendungen erschließen, die auch in den kommenden Jahren technologisch Maßstäbe setzen werden“, blickt Stefan Bielmeier abschließend schon in die Zukunft.